15.9.2026
Lesezeit:
6 Min.

Makulaödem nach Augenoperation

Nach einer Augenoperation kann die Netzhautmitte anschwellen und das Sehen unscharf oder verzogen werden. Dieses sogenannte Irvine-Gass-Syndrom tritt meist einige Wochen nach dem Eingriff auf und bildet sich in den allermeisten Fällen wieder zurück.

Dr. Valéry Vinzent Wittwer

Nach einer Operation im Auge kann sich in der Netzhautmitte Flüssigkeit ansammeln. Die Makula – die Stelle des schärfsten Sehens – schwillt dadurch an, und das Bild wird unscharf oder verzogen. Diese Schwellung nennt man Makulaödem. Tritt sie nach einem Eingriff im Auge auf, spricht man vom Irvine-Gass-Syndrom. Am häufigsten zeigt sie sich einige Wochen nach einer Operation des Grauen Stars. In den allermeisten Fällen bildet sie sich von selbst oder unter Behandlung wieder zurück.

OCT-Schnittbild der Netzhautmitte mit Makulaödem nach Augenoperation
Schichtaufnahme (OCT) der Netzhautmitte bei einem Makulaödem. Die dunklen Hohlräume sind Flüssigkeitseinlagerungen in der Netzhaut, darunter hat sich zusätzlich Flüssigkeit unter der Netzhaut gesammelt. Die Sehgrube ist dadurch angehoben statt leicht eingedellt.

Wie macht sich ein Makulaödem bemerkbar?

Das Sehen wird in der Mitte unscharf, gerade Linien können verbogen erscheinen, Farben wirken blasser und das Lesen strengt an. Typisch ist, dass das Sehen nach der Operation zunächst gut war und sich erst danach wieder verschlechtert. Schmerzen, ein rotes Auge oder ein Druckgefühl gehören nicht dazu.

Wann tritt es auf?

Meist vier bis zwölf Wochen nach dem Eingriff, am häufigsten um die vierte bis sechste Woche. Deshalb sind die Nachkontrollen in diesem Zeitraum wichtig, auch wenn Sie sich gut fühlen.

Wie häufig ist das Irvine-Gass-Syndrom?

Die Fachgesellschaften beziffern das Risiko nach einer Kataraktoperation mit rund 1,2 Prozent. Das Makulaödem gehört damit zu den häufigsten Komplikationen, die das Sehen nach dem Eingriff vorübergehend mindern. Kleine Veränderungen, die nur in der Schichtaufnahme sichtbar sind und keine Beschwerden verursachen, kommen deutlich häufiger vor. Nach komplizierteren Eingriffen oder bei Vorerkrankungen der Netzhaut liegt das Risiko höher.

Wer hat ein erhöhtes Risiko?

  • Komplikationen während der Operation, etwa ein Riss der Linsenkapsel
  • Diabetes mellitus mit Beteiligung der Netzhaut
  • frühere Entzündungen im Augeninneren
  • früherer Venenverschluss der Netzhaut
  • eine Häutchenbildung auf der Makula (epiretinale Membran)
  • bestimmte Augentropfen gegen den Grünen Star (Prostaglandine)
  • ein Makulaödem nach der Operation des anderen Auges

Wie wird es festgestellt?

Mit einer Schichtaufnahme der Netzhaut, der optischen Kohärenztomographie (OCT). Die Untersuchung dauert nur Sekunden, ist berührungsfrei und tut nicht weh. Sie zeigt die Flüssigkeit in der Netzhaut direkt und erlaubt es, den Verlauf über die Monate genau zu verfolgen. Ergänzend kommt das Amslergitter zum Einsatz, ein einfaches Karo-Muster, mit dem Sie verzerrtes Sehen selbst bemerken können. In unklaren Fällen wird zusätzlich eine Gefässdarstellung der Netzhaut durchgeführt.

Wie wird ein Makulaödem nach einer Operation behandelt?

Die Behandlung erfolgt in Stufen, und sie beginnt fast immer mit Augentropfen:

  • entzündungshemmende Augentropfen über mehrere Wochen, meist eine Kombination aus einem entzündungshemmenden Wirkstoff und Kortison
  • falls Sie Tropfen gegen den Grünen Star anwenden: vorübergehendes Absetzen oder Umstellen der Prostaglandin-Präparate
  • bleibt die Flüssigkeit bestehen: zusätzlich entwässernde Tropfen oder Tabletten
  • bei hartnäckigem Verlauf: ein Medikament direkt ins Auge, als intravitreale Therapie – entweder ein Kortisondepot oder ein VEGF-Antikörper

Wichtig ist Geduld. Die Tropfen wirken nicht über Nacht, sondern über Wochen. Kontrollen mit erneuter Schichtaufnahme zeigen, ob die Behandlung greift.

Wie sind die Aussichten?

Gut. Die grosse Mehrheit erholt sich innerhalb von drei bis sechs Monaten wieder vollständig, in manchen Fällen dauert es bis zu einem Jahr. Nur selten bleibt die Schwellung dauerhaft bestehen. Je früher sie erkannt und behandelt wird, desto besser ist in der Regel das Ergebnis – auch das ist ein Grund, die vereinbarten Nachkontrollen wahrzunehmen.

Was können Sie selbst tun?

  • Die Nachkontrollen wahrnehmen, auch wenn das Sehen gut ist
  • Den Tropfplan genau einhalten und nichts eigenmächtig absetzen
  • Jedes Auge einmal pro Woche einzeln prüfen, indem Sie das andere zuhalten
  • Eine neu aufgetretene Unschärfe oder Verzerrung in der Bildmitte melden, statt abzuwarten

Wenden Sie sich sofort an Ihren Augenarzt oder die Notfallstation, wenn das Sehen plötzlich stark abnimmt, das Auge rot wird oder schmerzt. Diese Zeichen sprechen nicht für ein Makulaödem, sondern müssen umgehend abgeklärt werden.

Weiterführende Informationen auf EyePedia

Quellen

Die folgenden Quellen richten sich an Fachpersonen. Sie sind hier aufgeführt, damit Sie die Angaben in diesem Beitrag nachprüfen können.

Dieser Beitrag ersetzt kein ärztliches Gespräch. Er soll Ihnen helfen, Befunde und Behandlungsschritte besser einzuordnen.

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