4.3.2026
Lesezeit:
15 Minuten

Verkehrsmedizinische Beurteilung des Sehvermögens

Zusammenfassung Ausgabe 1, 06/2023

Dr. Valéry Vinzent Wittwer

Vorgehen

Bei allen Patienten standardmässig

  • Fernvisus sc
  • Fernvisus cc
  • Motilität und Erfragen von Doppelbilder
  • Apparative Untersuchung der Aussengrenzen des Gesichtsfeld (kinetisches GF)
  • Ophthalmologische Untersuchung der vorderen und hinteren Augenabschnitten

Bei Verdacht auf Einschränkungen

  • Apparative Untersuchung des zentralen Gesichtsfeldes (Glaukom G2) nur bei
    • bestehendem Glaukom
    • Netzhautatrophien (AMD mit GA)
  • Apparative Untersuchung des Dämmerungs- und Kontrastsehen, bei
    • anamnestischer Auffälligkeit

Führerausweiskategorien

1. Gruppe
  • Kategorie A und B
  • Unterkategorien A1 und B1
  • Spezialkatgorien F, G und M
  • Unterkategorien D1, falls Beschränkung auf 3.5 t
2. Gruppe
  • Kategorie C und D
  • Unterkategrorie C1 und D1
  • Bewilligung zum berufsmässigen Personentransport BPT
  • Verkehrsexperten

Abweichung von den medizinischen Mindestanforderungen -> Arzt Stufe 4

Führerausweis mit Beschränkungen (z. B. Rayon) -> Arzt Stufe 4

Ärztliches Melderecht bei Verdacht auf fehlende Fahreignung (ohne Verletzung des ärztlichen Berufsgeheimnis)

Ärztliche Aufklärungspflicht

Mindestanforderungen

Fernvisus
  • Beleuchtung und Abstand zur Visustafel muss standardisiert sein
  • Lesegeschwindigkeit soll 1 Sehzeichen pro Sekunde sein
  • Visusstufe gilt als erfüllt wenn 60% einer Linie korrekt erkannt werden ( 3/5)
  • 1. Gruppe: 
    • besseres Auge 0.5, schlechteres Auge 0.2
    • besseres Auge 0.6, schlechters Auge < 0.2
  • 2. Gruppe: 
    • besseres Auge 0.9
    • schlechters Auge 0.5
Gesichtsfeld

Monokulare Gesichtsfeldprüfung mittels Konfrontationsmethode

  • ohne Verdacht auf Einschränkung

Apparative Gesichtsfeldprüfung monokular

  • Auffällig bei Konfrontationsmethode
  • Vorbekannte Erkrankungen (Augenkranheiten, Gesichtsfelddefekte)
  • Verdacht auf mögliche Gesichtsfelddefekte aufgrund der Verkehrsvorgeschichte (z.B. Unfall)
  • Methode (TOP-Strategie ungeeignet)
    • kinetische Perimetrie (Goldmann III/4e mit 5° pro Sekunde oder automatische) zur Prüfung der Aussengrenzen
    • statische Perimetrie (Glaukom G2) für die zentralen 20° (1. Gruppe) 30° (2. Gruppe)
  • Ungültig falls
    • Fixationsverlus > 15%
    • Falsch-negativ > 30%
  • 1. Gruppe
    • MD (mittlerer Defekt) </= 10 dB (besseres Auge ist massgebend)
    • Zentrale 10° überall >/= 10 dB
    • Zentrale 10-20° maximal 3 Defekte < 10 dB davon maximal 2 benachbart
  • 2. Gruppe (wie 1. Gruppe) nur:
    • Zentrale 10-30° maximal 3 Defekte < 10 dB davon maximal 2 benachbart

Gesichtsfeld peripher

  • 1. Gruppe: horizontal 120°, Erweiterung nach rechts und links 50°, oben und unten 20°
  • 2. Gruppe: horizontal 140°, Erweiterung nach rechts un dlinks 80° , oben und unten 30°

Gesichtsfeld zentral

  • 1. Gruppe: bis 20° normal (binokular)
  • 2. Gruppe: bis 20° normal (monokular, bei beiden Augen) -> keine binokulare Kompensation
Augenbeweglichkeit/Doppelbilder

Muss aktiv erfragt werden, bei Verdacht -> augenärtzliche Untersuchung

  • 1. Gruppe: keine einschränkende Doppelbilder
  • 2. Gruppe: Normale Augenbeweglichkeit, keine Doppelbilder

Doppelbildfreies Gebrauchsgescihtsfeld mit gerader Kopfhaltung (Maximal 10° Abweichung)

  • 1. Gruppe: binokuläres zentrales doppelbildfreies Gebrauchsblickfeld von 20°
  • 2. Gruppe: Doppelbilder nur in Extrempositionen zulässig. Ausnahmen für Inhabe (nicht Neubewerbern) Doppelbildfreies Gebrauchsblickfeld von 25° Aufblick, 40° Abblick, 30° Seitwärtsblick
Dämmerungssehen und Blendempfindlichkeit (Gruppe 1 = 2)
  • keine wesentliche Einschränkung des Dämmerungssehens
  • keine wesentlich erhöhte Blendempflindlichkeit

Bei Verdacht -> apparative Prüfung

  • Gruppe 1: 1:23
  • Gruppe 2 (ohne D, D1): 1:5
  • Kategorien D, D1: 1:2.7

Spezielle Aspekte

  • neu auftretender Einäugikeit (Schlechtes Auge < 0.2) ->  4 Monate Fahrkarenz -> danach Kontrollfahrt mit Verkehrsexperten
  • neu aufgetretenen Doppelbilder -> Wartefrist von 3 Monaten
  • Stereosehen/Farbsehen -> kein Kriterium

Quellen: 

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